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Quiero – ich will

Quiero que me oigas sin juzgarme
Ich will, dass du mir zuhörst, ohne über mich zu urteilen.


Quiero que opines sin aconsejarme
Ich will, dass du deine Meinung sagst, ohne mir Ratschläge zu erteilen.


Quiero que confíes en mí sin exigirme
Ich will, dass du mir vertraust, ohne etwas zu erwarten.


Quiero que me ayudes sin intentar decidir por mí

Ich will, dass du mir hilfst, ohne für mich zu entscheiden.


Quiero que me cuides sin anularme
Ich will, dass du für mich sorgst, ohne mich zu erdrücken.


Quiero que me mides sin proyectar tus cosas en mí
Ich will, dass du mich siehst, ohne dich in mir zu sehen.


Quiero que me abraces sin asfixiarme
Ich will, dass du mich umarmst, ohne mir den Atem zu rauben.


Quiero que me animes sin empujarme
Ich will, dass du mir Mut machst, ohne mich zu bedrängen.


Quiero que me sostengas sin hacerte cargo de mí
Ich will, dass du mich hältst, ohne mich festzuhalten.


Quiero que me protejas sin mentiras
Ich will, dass du mich beschützt, aufrichtig.


Quiero que te acerques sin invadirme
Ich will, dass du dich näherst, doch nicht als Eindringling.



Quiero que conozcas las cosas mías que más te disgusten

Ich will, dass du all das kennst, was dir an mir missfällt.


Que las aceptes y no pretendas cambiarlas
Dass du es akzeptierst, versuch es nicht zu ändern.



Quero que sepas…que hoy puedas contar conmigo…

Ich will, dass du weißt.. dass du heute auf mich zählen kannst.


Sin conditiones.
Bedingungslos.

Jorge Bucay

Ich möchte so vieles sagen zu diesem Text, der in meiner Seele leuchtet.

Aber jedes Wort wäre zu viel. Überflüssig.

Sé que usted entiende.

Lückenfüller

„…Deshalb will ich versuchen, Konflikte als einen Weg zu begreifen, auf dem ich meine Schranken überwinden und mich so dem anderen nähern kann, darüber hinaus aber auch als ein Weg, auf dem ich meinem Gefährten begegne – was dann natürlich auch zum Wandel in der Begegnung mit mir selbst führen wird.

Eine Beziehung ist eine Addition. Deshalb lohnt sie sich.
Sie… lohnt die Mühe, das Leiden, das sie hervorbringt, den Schmerz, mit dem wir uns auseinandersetzen müssen. Und all dies ist wertvoll, weil wir – nachdem wir es durchgestanden haben – nicht mehr dieselben sein werden: Wir sind daran gewachsen, vieles ist uns bewußter geworden, wir fühlen uns vollständiger.

Die Paarbeziehung rettet uns vor nichts. Sie darf uns vor nichts retten. Viele Menschen suchen einen Partner, um auf diese Weise ihre Probleme zu lösen. Sie glauben, dass eine intime Beziehung sie von ihren Ängsten, ihrer Langeweile, ihrem Gefühl der Sinnlosigkeit heilen wird. Sie hoffen, dass ein Partner die Lücken in der eigenen Persönlichkeit stopft. Welch schrecklicher Irrtum! Wenn ich mir mit solchen Erwartungen einen Partner aussuche, werde ich am Ende unweigerlich die Person hassen, die mir nicht das gibt, was ich mir von ihr erhoffe. Und anschließend? Anschließend suche ich mir vielleicht jemand anderen und wieder jemand anderen und wieder jemand anderen… Oder ich lasse das Leben verstreichen und ziehe es vor, mich über mein Schicksal zu beklagen.

Das Konzept lautet also: Ich muss mein eigenes Leben meistern, ohne die Erwartung, dass jemand dies für mich erledigt.

Das bedeutet aber auch: Ich sollte nicht versuchen, das Leben eines anderen zu meistern, sondern das Zusammensein mit dem anderen als ein gemeinsames Projekt zu begreifen, das dazu dient, dass es uns gutgeht, wir aneinander wachsen, uns miteinander vergnügen – aber nicht dazu, dass der andere meine Schwierigkeiten beseitigt.

Solange wir glauben, die Liebe könne uns retten, all unsere Probleme lösen und uns in einen Dauerzustand von Glück und Sicherheit versetzen, sitzen wir weiterhin Phantasien und falschen Vorstellungen auf – was die wahre Kraft der Liebe, die Kraft, uns zu verändern, lediglich schwächt.

Damit unsere Beziehungen gedeihen, müssen wir sie anders sehen: als eine Reihe von Möglichkeiten, unser Bewusstsein zu erweitern, eine tiefere Wahrheit zu entdecken und in einem vollständigerem Sinn menschlicher zu werden.
Und wenn ich mich in ein vollständiges Wesen verwandle, das zum Überleben nicht eines anderen bedarf, so werde ich bestimmt einem anderen, ebenso vollständigen begegnen, mit dem ich teilen kann, worüber wir als Individuum jeweils verfügen.
Darin liegt der Sinn des Paares: nicht in der Rettung, sondern in der Begegnung. Oder, besser gesagt, in den Begegnungen. Ich begegne dir. Du mir. Ich mir. Du dir.  Wir anderen Menschen.“

Aus „Mit offenen Augen lieben“ von Jorge Bucay