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Ein neues Jahr

In einem Meer aus Hoffnungen segle ich dem neuen Jahr entgegen.

Die Wellen sind aus Träumen gemacht.
Sie tragen mich, so lange ich ihnen vertraue.

Nicht immer gelingt mir das und dann zieht ein Sturm auf, der die Wellen peitscht so dass sie sich aufbäumen.
Dann reißt die Angst an mir. Den nächsten Hafen nicht zu erreichen, in die Tiefe gerissen zu werden.

Doch wenn der Sturm sich legt, sehe ich sie wieder.
Die glitzernden Wellen der Träume, die mich nach Hause tragen.

Sicher und geborgen bin ich ein Teil von ihnen.

Sozusagen grundlos vergnügt

Ich freue mich, dass am Himmel Wolken ziehen
und dass es regnet, hagelt, stürmt und schneit.
Ich freue mich auch zur grünen Jahreszeit
Wenn Heckenrosen ud Holunder blühen.
Dass Amseln flöten und Bienen summen,
dass Mücken stechen und dass Brummer brummen.
Dass rote Luftballons ins Blaue steigen,
dass Spatzen schwatzen und dass Fische schweigen.
Ich freu mich, dass der Mond am Himmel steht
und dass die Sonne täglich neu aufgeht.
Dass Herbst dem Sommer folgt und Lenz dem Winter
gefällt mir wohl, da steht ein Sinn dahinter,
auch wenn die Neunmalkugen ihn nicht sehn,
man kann nicht alles mit dem Kopf verstehn.
Ich freu mich, das ist des Lebens Sinn,
ich freu mich vor allem, dass ich bin.
In mir ist alles aufgeräumt und heiter,
die Deele blitzt, das Feuer ist geschürt,
an solchen Tagen erklettert man die Leiter,
die von der Erde in den Himmel führt.
Da kann der Mensch, wie es ihm vorgeschrieben,
weil er sich selber liebt, den Nächsten lieben.
Ich freu mich, dass ich mich an das Schöne
und an das Wunder niemals ganz gewöhne.
Dass alles so erstaunlich bleibt und neu.
Ich freu mich, dass ich,
dass ich mich freu.
(Mascha Kaleko)