Schlagwort-Archive: Hesse

Geduld

Aber Geduld ist schwer. Geduld ist für den Geist das Schwerste. Es ist das Schwerste und ist das Einzige, was zu lernen sich lohnt. Alle Natur, alles Wachstum, aller Friede, alles Gedeihen und Schöne in der Welt beruht auf Geduld, braucht Zeit, braucht Stille, braucht Vertrauen, braucht den Glauben an langfristige Dinge und Prozesse von viel längerer Dauer als ein einzelnes Leben dauert, Glauben an Zusammenhänge und Dinge, die keiner Einsicht eines Einzelnen zugänglich sind.
„Geduld“ sage ich und könnte ebenso gut sagen Glauben, Gottvertrauen, Weisheit, Kindlichkeit, Einfalt.

Herrmann Hesse (Tagebuch 1920/21)

Was du im Leben leitest…

…Es kommt einzig darauf an, dass jedem von uns ein Erbe und eine Aufgabe mitgegeben ist, er hat von Vater und Mutterseite, von vielen Ahnen her, von seinem Volk, seiner Sprache her gewisse Eigenschaften, gute und böse, angenehme und schwierige geerbt, Talente und Mängel, und all dies zusammen ist er, und dies Einmalige… hat er zu verwalten und zu Ende zu leben, reif werden zu lassen und schließlich mehr oder weniger vollkommen zurückzugeben…

Hermann Hesse

Gaben leben

Verzichten Sie darauf, sich an den unlösbaren Fragen müde zu grübeln. Unlösbar sind die Fragen nach dem Wesen Gottes oder des Weltgeistes, nach Sinn und Lenkung des Universums, nach der Entstehung der Welt und des Lebens.

Das Denken und Debattieren darüber kann ein schönes und interessantes Spiel sein, zur Lösung unserer Lebensprobleme führt es nicht.

Sie sind in die Welt gestellt, ohne zu wissen warum…

Ihr Leben und Ihre Gaben, die der Sinne und die des Geistes, zur Reife und möglichsten Vollendung zu bringen, darin liegt der Sinn Ihres Lebens, und je besser Ihnen das gelingt, desto glücklicher werden Sie.

Hermann Hesse

Wie oft verstricken wir uns in Grübeleien über den Sinn und das Wesen der Welt und vergessen dabei das zu tun, was uns möglich ist.
Jedem Menschen bieten sich zahllose Möglichkeiten positiv einzuwirken, auf das, was auf der Welt geschieht, aber zu oft nutzen wir diese Fähigkeiten nicht.

Gestutzte Eiche

Gestutzte Eiche
Wie haben sie Dich Baum verschnitten,
Wie stehst Du kahl und sonderbar!
Wie hast Du hundertmal gelitten,
Bis alles Dir Trotz und Wille war!
Ich bin wie Du.
Mit dem verschnittnen
gequälten Leben breche ich nicht
und recke täglich aus durchlittnen
Roheiten neu die Stirn ins Licht.
Was in mir weich und zart gewesen,
Hat mir die Welt zu Tod gehöhnt,
Doch unzerstörbar ist mein Wesen,
Ich bin zufrieden, bin versöhnt.
Geduldig neue Blätter treib ich
aus Ästen hundertmal zerspellt,
und allem Weh zum Trotz bleib ich
Verliebt in die verrrückte Welt

Hermann Hesse