Schlagwort-Archive: Liebe

Rose im Asphalt

In den grauen Stadtschluchten deines Alltags
irrst du vorbei an bröckeligen Fassaden
hier und da eine rote Bank
ein Lächeln
ein Augenblick zu verweilen
doch du treibst weiter im Strom der Zeit
immer nach dem nächsten Ausweg suchend
doch eines Morgens
wie ein Hauch
berührt von den
Schwingen der Liebe
und dein Herz blüht
wie eine Rose im Asphalt

mague 2011

httpv://www.youtube.com/watch?v=wwSLAkNVJeQ

Anam Cara

Irrend und strauchelnd
über Felder aus Eis.
Frostklare Nacht.
Schneidet Kälte in zitternden Körper.
Sterne funkeln auf samtblauem Tuch.
Glitzernd eine Decke aus Schnee
ein Mantel aus Hoffnung.

Müde und kraftlos
auf steinigem Acker.
Winziges Samenkorn.
Getrieben von Stürmen in endlose Weiten.
Zartes umfängt Grün den müden Körper.
Hunger nach Leben webt
einen Mantel aus Hoffnung.

Träumend und bangend
am Meer der Zeiten.
Flirrende Hitze.
Mittagssone brennt Zeichen in die Seele.
Sanft umspülen Wellen den müden Körper.
Durst nach Leben
und ein Herz voller Hoffnung.

Heute vor mir ein Korb
süss reifer Früchte,
dunkler roter Wein,
ein Feld goldenen Weizens.
Ein Herz voller Leben
und du
im späten Sommerwind.

mague 2010

httpv://www.youtube.com/watch?v=dNm_sAZ27pU&feature=related

Echt

An deiner Fassade
aus Scham
und Angst
aus wirken wollen
und zurück halten
aus Erfolg
Anpassung
und Schmerz
werde ich kratzen.

So lange kratzen
bis unter
zahllosen
Schichten
ungeschützt
verletzlich
und wortlos kostbar
ein Stückchen Du
frei wird.

mague 2010

Das Samtkaninchen oder Das Wunder der Verwandlung

„Was heißt eigentlich echt?“, fragte das Samtkaninchen eines Tages, als beide…nebeneinander auf dem Fußboden im Kinderzimmer lagen. „Heißt es, dass man surrende Sachen im Bauch und einen Haltegriff am Rücken hat?“

„Echt hat nichts damit zu tun, wie man gemacht ist“, sagte das Pferdchen. „Es ist etwas, das mit dir passiert, Wenn dich ein Kind eine lange, lange Zeit liebt – wenn es nicht nur mit dir spielen will, sondern wenn es dich wirklich liebt -, dann wirst du echt.“

„Tut das weh?“ fragte das Samtkaninchen.

„Manchmal“, sagte das Pferdchen, denn es war immer ehrlich.
„Aber wenn man echt ist, macht einem der Schmerz nichts aus.“

„Passiert das denn ganz plötzlich wie beim Aufziehen?“, wollte das Samtkaninchen wissen, „oder eher Stück für Stück?“

„Es geschieht nicht auf einmal“, sagte das Pferdchen.
„Man wird es. Das braucht viel Zeit. Deswegen passiert es auch nur ganz selten mit denen, die leicht kaputtgehen oder scharfe Kanten haben und die man sehr sorgfältig behandeln muss. Wenn man erst einmal echt ist, dann sind einem schon die meisten Haare weggeliebt worden und die Augen fallen dir heraus und deine Gelenke sind ausgeleiert und du bist ganz abgewetzt. Aber das macht alles nichts, denn wenn du erst einmal echt bist, kannst du gar nicht mehr hässlich sein, höchstens für Leute, die keine Ahnung haben.“

Margery Williams, Das Samtkaninchen

Ein Lächeln

Schweres Nebelgrau
drückt zu Boden
was einst lebendig war.

Verborgen
in der erstarrten Erde
vergessene Blütenpracht.

Vögel
schweigen sich
durch zähe Tage.

Nur ein kahler Baum
ahnt die Sonne
hinter den Fesseln der Schweremut.

Und dann kommst du und pflanzt ein Lächeln in meinen Seelengarten.

mague 2010